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BARF: Bedarfsgerechte Fütterung für den Hund?

Der Wolf jagt das Beutetier (z. B. das Kaninchen) - die optimale Nahrung für seine individuelle Lebenssituation. Aber heißt das automatisch, dass diese Fütterung auch für unsere Hunde optimal ist? Können wir diese Fütterung 1:1 umsetzen? Die Frage ist ganz einfach zu beantworten: füttern Sie nach PREY (hier werden ganze Beutetiere verfüttert) kommen Sie nah ran. So eine Fütterung ist in unserem Lebensstandard allerdings kaum möglich. Also wird von vielen Haustierbesitzern BARF praktiziert. Hier werden ausgewählte Fleischstücke und Innereien (wie wir sie in der Regel zu kaufen bekommen) verfüttert. Reicht das für eine bedarfsgerechte Ernährung aus? Die Antwort lautet definitiv: Nicht immer!

Warum? Ganz einfach! Der Wolf frisst das Beutetier nahezu komplett.  Das Fell des Kaninchens liefert Zink, das Blut enthält Eisen, die Knochen Kalzium, Phosphor und Magnesium. Über das Fleisch nimmt der Wolf Eiweiß auf und die Innereien des Kaninchens enthalten zusätzliche Vitamine und Spurenelemente. Auch sind die Mengenverhältnisse ganz anders. Frisst der Wolf am Tag eine Menge, die bis zu 5-10% seines Körpergewichtes ausmacht, bekommt unser Hund 2,5 – 3% seines Körpergewichtes. Der Wolf nimmt also am Tag viel mehr der benötigten Eiweiße, Mineralien und Vitamine zu sich als unser Hund. Würde unser Hund diese Menge erhalten, wäre das Ergebnis Fettleibigkeit, da er wesentlich weniger aktiv ist als der Wolf. Auch ist die Lebenserwartung des freilebenden Wolfes ganz anders. Lebt ein freilebender Wolf im Durchschnitt 5 Jahre, schaffen unsere Haushunde zwischen 10 und 15 Jahre. Krankheiten, Mangelerscheinungen sowie Verhungern von Wölfen sind in der freien Natur keine Seltenheit.

Viele Studien zeigen Mängel in BARF-Rationen. So z. B. belegt auch eine Studie der Ludwig Maximilian Universität München, dass eine Vielzahl von, aus dem Bauch heraus, erstellte BARF-Rationen, Mängel in der Versorgung wichtiger Mineralien und Spurenelemente aufzeigen.

Welchen Bedarf hat unser Haustier denn nun?

Das ist eine wichtige Frage, denn nur ein Tier, das seinen Bedarf deckendes Futter erhält, hat die Chance auf ein gesundes Leben bis ins hohe Alter zu haben. Der Tierärzteverband hat in seinem Leitfaden zur Ernährungsbeurteilung treffend geschrieben; die Fütterung einer bedarfsdeckenden Nahrung durchgehend in allen Lebensphasen kann helfen, ernährungsbedingte Erkrankungen zu vermeiden und das Management anderer Erkrankungen zu unterstützen.

 

Welche Mengen Eiweiß , Vitamine und Spurenelemente ein Tier benötigt, wurde in vielen Studien erforscht. Führend in der Veröffentlichung von Nährstoffempfehlungen ist das National Research Council (NRC) der US National Academy of Sciences. Anhand dieser Empfehlung kann der Bedarf des einzelnen Tieres berechnet werden. Allerdings reicht das bei Weitem nicht aus. Es müssen noch weitere Faktoren berücksichtigt werden.

Das Alter, der Gesundheitszustand und die Aktivitäten des Tieres sind bei der Rationsberechnung ebenfalls mit einzubeziehen .

Sie sehen also das Thema Ernährung des Hundes und der Katze ist ein sehr komplexes Thema. Deshalb ist es ratsam sich von einem Experten für Tierernährung Unterstützung zu holen.

 



Hier nun ein Beispiel aus der Praxis:

Sucht man im Internet nach BARF-Rezeptvorschlägen bekommt man eine Menge geboten. Ich habe mir mal ein Rezeptvorschlag herausgesucht und ausgewertet:

Der Hund hat 25 kg und soll laut Vorschlag 2,5 % des Körpergewichtes an Futtermenge erhalten. Das macht eine Gesamtfuttermenge von 625 g. Diese 625 g sollen wie folgt aufgeteilt werden:

80 %  Tierischer Anteil 500 g

336 g Muskelfleisch

115 g Innereien

50 g Hühnerhälse

20 % pflanzlicher Anteil

125 g Gemüse/Obst

2 TL Öl

8 g


Das Ganze sieht dann so in der Versorgung aus (Auszug aus meiner computerunterstützen Auswertung):


Was bedeutet das jetzt genau?
Eine ausführliche Futtermittelanalyse an dieser Stelle zu veröffentlichen würde den Rahmen sprengen. Damit Sie sich aber einen Eindruck machen können, welche Mängel bei reiner BARF Fütterung (ohne Zusatz von z. B. Supplementen) entstehen können, führe ich Ihnen hier die größten Versorgungslöcher auf und erläutere Ihnen die möglichen Folgen bei langfristiger Mangelernährung. Bitte bedenken Sie, dass das hier ein Beispiel ist und nicht für Ihr Tier gedacht ist. Damit ich den individuellen Bedarf Ihres Tieres ermitteln kann, benötige ich individuelle Angaben zu Ihrem Hund!
 
Eiweiß/Protein: Bei einem gesunden Hund kann der Proteinwert auch höher ausfallen. Allerdings muss das Verhältnis von Protein zu Energie stimmen (10 g Protein auf 1 MJ Energie) In diesem Beispiel ist das Verhältnis 22 g Protein auf 1 MJ Energie. Dieses Verhältnis ist viel zu hoch. Folgen: Im Proteinstoffwechsel entsteht Amoniak (Zellgift). Dieses wird in der Leber zu Harnstoff verarbeitet ==> große Leber- und Nierenbelastung! Bei einigen Hunden kann eine zu hohe Proteinzufuhr auch zu Hyperaktivität führen.

Calcium/Phosphor:  Der Phosphorgehalt ist zu hoch. Das Verhältnis Calcium (Ca) zu Phosphor (P) sollte idealerweise Ca 1,1-2 zu P 1 betragen. In diesem Beispiel beträgt das Verhältnis Ca 0,9 zu P 1. Wird mehr Phosphor als Calcium gefüttert, wird die Calciumaufnahme gehemmt. Der Körper nimmt sich das fehlende Calcium aus den Knochen im Körper, was zu Lahmheit, Deformierungen und Knochenverschiebungen führen kann. Hat man nun Angst zu wenig Calcium zu füttern und gibt dann mehr Knochen kann das ebenso fatale Konsequenzen haben. Ein zuviel an Calcium kann z. B. zu Knochenverformungen führen.

Kupfer: Dem Hund wird in diesem Beispiel nur 50 % seines Bedarfs an Kupfer zugeführt. Ein Mangel an Kupfer äussert sich durch Veränderungen der Haut und den Haaren. Insbesondere ein Grauwerden der dunkel pigmentierten Haare wurde um die Augen und Nase herum beobachtet.

Jod: Der Hund erhält durch diese Ration so gut wie kein Jod. Dies kann auf Dauer einer Vergrösserung der Schilddrüse führen, nicht ausreichender Hormonbildung, allgemeinem Leistungsnachlass, Fruchtbarkeits- und Wachstumsstörungen, Gewichtabnahme und Wassereinlagerungen und zu Haarausfall und Müdigkeit.

Vitamin D: Vitamin D wird mit diesem Barf-Rezept gar nicht zugeführt. Wird dem Tier auf Dauer zu wenig oder gar kein Vitamin D zugeführt kann das zu Knochenerweichung im Junghundealter führen (Rachitis),  zu Wachstumsstörungen und beim erwachsenen Hund zu Knochendeformierungen, welche alle bedingt durch die nicht ausreichende Mineralisierung der Knochen entstehen.

Vitamin E: Auch der Vitamin E Gehalt dieser Ration lässt zu wünschen übrig. Beim erwachsenen Hund kann es  zu einer Herzmuskelschwächung kommen und zu Ausfällen der Skelettmuskulatur.

B-Vitamine:  Ein Mangel an Vitamin B1 kann das zentrale Nervensystem stark beeinflussen. Bei Hunden im Wachstum kann ein Mangel an Vitamin B2 zu Appetitlosigkeit, Muskelschwäche, Nerven- und Wachstumstörungen führen. Im Wachstum, Trächtigkeit und Laktation sind die Werte wieder erhöht. Kommt es doch zu einem Mangel, so äussert sich dieser in Wachsstumsstörungen, Hautentzündungen, Haarausfall und Magen- Darmentzündungen. Bei länger anhaltendem Mangel kann es zu Nervenstörungen und zu Anämien kommen.

FAZIT: Möchte man seinen Hund nach BARF füttern, sollte man sich im Klaren sein, dass in reinen BARF Rationen in der Regel nicht alle Mineralien, Spurenelemente und Vitamine enthalten sind. Damit Mangelernährung oder Überversorgung mit bestimmten Nährstoffen vermieden werden können, sollte die BARF-Ration von einem Experten mittels computerunterstützer Rationsberechnung überprüft und ggf. optmiert werden.